Sieben Minuten nach Mitternacht – OT: A Monster Calls (2016)

Heute war ein wenig erfreulicher, fordernder und emotional anstrengender Tag. Typisch Freitag, der 13. könnte man meinen. Da die Stimmung ohnehin schon ziemlich im Keller war, konnte ich mich auch gleich „Sieben Minuten nach Mitternacht“ stellen, der ohnehin schon viel zu lange ungesehen im Regal stand. Meine Frau hat das Buch gelesen und ich habe schon einige positive Stimmen zu den Film gehört. Dennoch hatte ich mich aufgrund der Thematik lange nicht an die Geschichte herangewagt…

Sieben Minuten nach Mitternacht (2016) | © STUDIOCANAL

Sieben Minuten nach Mitternacht (2016) | © STUDIOCANAL

Der personifizierte Schmerz des Abschieds

In den letzten Jahren haben sich Sterbedramen als beinahe schon eigenes Genre etabliert. Oft in Kombination mit einer tragischen Liebesgeschichte, ziehen diese Filme Zuschauer in Scharen in die Kinos. Für mich unverständlich. Auch wenn ich recht nah am Wasser gebaut bin, wenn es um Filme geht, mache ich normalerweise einen großen Bogen um Geschichten dieser Art. Vielleicht weil ich selbst schon zweimal Abschied von mir nahestehenden Menschen nehmen musste. Wieso sich also Filme anschauen, die einzig und allein Krankheit, Schmerz und Tod zum Thema haben? Bei „A Monster Calls“ haben mich jedoch sowohl der Fantasy- als auch der Coming-of-Age-Aspekt gereizt. Dennoch war mir von Anfang an klar, dass es keine einfache Sichtung werden würde – und ich sollte recht behalten…

Den jungen Conor (großartig gespielt von Lewis MacDougall) dabei zu begleiten, wie er den Abschied von seiner sterbenden Mutter verarbeitet, ist mir tatsächlich nicht leicht gefallen. Zu oft musste ich daran denken, was meine Kinder in einem ähnlichen Fall durchzumachen hätten. Keine schönen Gedanken. Die Geschichte nähert sich dem Thema behutsam und das titelgebende Monster als Allegorie für Conors Schmerz ist ein wunderbarer erzählerischer Kniff. Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass die Geschichte unter den großen Effekten leiden könnte, doch das CGI fügt sich nahtlos in die Handlung ein und lässt den Figuren genügend Luft zum Atmen. Neben Lewis MacDougal wissen Felicity Jones als sterbende Mutter und Sigourney Weaver als Großmutter des Jungen zu überzeugen.

Fazit

Regisseur Juan Antonio Bayona (u.a. „The Impossible“) setzt die ergreifende Geschichte in starken Bildern um. Selbst die eingeschobenen Märchen wissen aufgrund ihres besonderen Animationsstils zu überzeugen. Trotz der Effekte werden mir jedoch vor allem die zwischenmenschlichen Szenen in Erinnerung bleiben – und am Ende sind, wie zu erwarten, die Tränen geflossen. Ein starker und ergreifender Film, den ich allerdings so schnell nicht mehr anschauen werde – und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen: 8/10 Punkte.

Duell – OT: Duel (1971)

Ein Freund hat mir kürzlich einen Link zu einem Interview, das Edgar Wright mit Steven Spielberg über dessen Film „Duell“ geführt hat, geschickt. Das fand ich so inspirierend, dass ich mir „Duell“ baldmöglichst selbst noch einmal anschauen wollte. Heute war es dann endlich soweit…

Duell (1971) | © Universal Pictures Germany GmbH

Duell (1971) | © Universal Pictures Germany GmbH

Der erste Geniestreich von Steven Spielberg

Mit „Duell“ verbinde ich einiges. Es war der erste Film, den ich damals in der Videoschnitt-Vorlesung meines Studiums detailliert analysieren durfte. Leider befinden sich die Texte von damals auf irgendeiner gut versteckten externen Festplatte, sonst hätte ich sie wunderbar für diese Besprechung verwenden können. Macht aber nichts, denn das intensive Erlebnis wirkt auch ohne Aufzeichnungen bis heute nach. Den Film habe ich damals vor ca. 14 Jahren (OMG!) entsprechend häufig gesehen. Nun stand also erneut eine Begegnung an. Und was soll ich sagen? Ich bin immer noch erstaunt, wie unglaublich modern „Duell“ teilweise inszeniert ist. Man spürt förmlich die Energie, die der 25-jährige Steven Spielberg in den Film gesteckt hat. Und das trotz oder gerade wegen der begrenzten Mittel einer TV-Produktion. Später hat Universal das Potenzial des Films erkannt und eine um 15 Minuten erweiterte Fassung (die wir heute auch nur allzu gut kennen) ins Kino gebracht.

Warum funktioniert „Duell“ so gut? Er ist völlig schnörkellos inszeniert. Das titelgebende Duell macht die gesamte Handlung aus. Man wird mit David Mann (Dennis Weaver) in eine Situation geworfen, die einerseits unglaublich erscheint, andererseits aber auch nah an der Lebensrealität dran ist. Idioten im Straßenverkehr kennt schließlich jeder. Der besondere Kniff ist, dass der Gegner nur als monströser Truck in Erscheinung tritt. Dieser wird stets in Untersicht gezeigt, er wirkt organisch und scheint ein eigenes Leben zu besitzen. Der Fahrer tritt nie in Erscheinung, was die absolut richtige Entscheidung war. Der Wahnsinn, der David befällt, wird ebenso greifbar gemacht und man wähnt sich in so mancher Szene fast schon in einem Hitchcock-Film. Einzig das Voice-over Davids wirkt teils ein wenig befremdlich.

Fazit

Mit seinem ersten, heute noch greifbaren Film ist Steven Spielberg sogleich ein Meilenstein gelungen, ohne den es Filme wie „Breakdown“, „Jeepers Creepers“ oder „Joyride“ nicht gegeben hätte. Die dichte Atmosphäre und die auf den Punkt inszenierte Bedrohung braucht selbst 47 Jahre nach Veröffentlichung keinen Vergleich zu anderen Genre-Klassikern zu scheuen. „Der Weiße Hai“ war vier Jahre später nur der nächste, konsequente Schritt. Immer noch großartig: 9/10 Punkte.

Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei (2017)

Gestern Abend hat es sich spontan ergeben, dass wir einen Film zusammen geschaut haben. Und mit zusammen meine ich: Die ganze Familie hat sich vor dem Fernseher versammelt. Eine Prämiere sozusagen, denn bisher hat unser Zwergofant noch nie einen kompletten Film durchgehalten. Somit hat sich „Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei“ unerwartet ihren Platz in der persönlichen Filmhistorie unserer Familie gesichert…

Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei (2017) | © Universum Film GmbH

Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei (2017) | © Universum Film GmbH

Ein modernisierter Kinderbuchklassiker

Meine Erwartungen an den Film waren eher gering: Ein Film über Osterhasen und dann noch die modernisierte Verfilmung des angestaubten Kinderbuches? Als dann gleich zu Beginn noch eine große Mythologie rund um die Entstehung des Osterfestes samt Goldenem Ei und epischer Fehde zwischen Füchsen und Hasen aufgemacht wurde, hatte ich den Film schon fast abgeschrieben. Dann jedoch verlassen wir das klassische Setting der Häschenschule und Max betritt die Bühne. Ein moderner Hase, der in der Großstadt zu Hause ist. Ihn verschlägt es durch einen dummen Zufall in die Häschenschule und wir bekommen im Folgenden eine Culture-Clash-Komödie präsentiert, die voll und ganz auf die jüngsten Zuschauer zugeschnitten ist.

Wie schon angedeutet, hat unser Zwergofant bisher noch keinen Film durchgehalten. Obwohl er schon fünf Jahre alt ist, hat er alle bisherigen Versuche einen Film zu sehen vorzeitig abgebrochen, da er selbst in den harmlosesten Szenen Angst bekommt, sobald die Musik ein wenig zu dramatisch wird. Auch „Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei“ stellte ihn vor so manche Herausforderung, doch er war vom restlichen Film so begeistert, dass er immer wieder hinter seinem Kissen hervorgelugt hat. Am Ende konnte er sogar über die dusseligen Füchse lachen und hätte den Film am liebsten gleich noch einmal geschaut. Speziell der coole Max hatte es ihm angetan und noch vor dem Einschlafen erzählte er ausgiebig von der Geschichte und dass er am liebsten auch ein Osterhase wäre. Heute morgen waren bei uns im Haus dann auch tatsächlich zwei Osterhasen unterwegs und haben für uns Eltern 14(!) selbstgebastelte Ostergeschenke versteckt.

Fazit

Auch wenn „Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei“ für erwachsene Zuschauer zu naiv und klischeehaft erzählt ist und etliche unnötige Fantasy-Elemente beinhaltet, so bietet der Film für jüngere Kinder doch wunderbare Unterhaltung mit einer positiven Botschaft. Der an Cel-Shading erinnernde Look ist einfach, aber passend und trägt die Geschichte dieses deutschen Animationsfilms problemlos. Bei der folgenden Wertung dürfen rein erwachsene Zuschauer zwei Punkte abziehen, für jüngere Kinder dürft ihr jedoch noch einmal drei Punkte draufschlagen: 7/10 Punkte.

Rambo – OT: First Blood (1982)

Heute habe ich eine meiner größten filmischen Lücken geschlossen und endlich „Rambo“ nachgeholt. Der Film besaß bereits während meiner Grundschulzeit einen echten Kultstatus und ich weiß noch heute, dass sich ein paar Klassenkameraden im Pausenhof der zweiten(!) Klasse damals darüber ausgetauscht hatten. Für mich wäre es damals – völlig zurecht – unmöglich gewesen diesen Film zu sehen und irgendwie habe ich es auch danach nicht auf die Reihe bekommen. Heute jedoch war es soweit…

Rambo (1982) | © STUDIOCANAL

Rambo (1982) | © STUDIOCANAL

Eine Figur, die zur Legende wurde

Denkt man heute an Rambo, dann hat man vermutlich eher Szenen aus den drei Fortsetzungen im Kopf. Ähnlich wie bei „Mad Max“, bei dem man auch eher an „The Road Warrior“ denkt, ist „First Blood“ noch ein anderer Film als die actionreicheren Nachfolger. Tatsächlich ist die Geschichte unerwartet ernsthaft und kann in erster Linie als Kritik am Vietnamkrieg bzw. der mangelhaften Eingliederung von Veteranen gesehen werden. Ich war wirklich erstaunt, wie schnell Ted Kotcheff zur Sache kommt und das anfänglich noch friedliche Setting wortwörtlich explodiert. Binnen nur weniger Minuten wird John Rambo in die Mangel genommen und man fühlt sich mit ihm überfordert und kann nicht verstehen, wie die Situation so schnell eskalieren konnte. Selten habe ich einen effizienter erzählten Prolog gesehen.

Während der ersten 70 Minuten bekommt man einen extrem spannenden Überlebenskampf zu sehen, der vor allem durch sein Setting (unwirtliche Natur) und John Rambos Einfallsreichtum überzeugt. Die Action ist hart und dreckig und man nimmt allen beteiligten Personen ab, dass sie eigentlich mit der Situation überfordert sind. In den letzten 20 Minuten kippt der Film dann leider in ein Actionspektakel, das zwar nach wie vor mitreißt, jedoch nicht mehr diese archaische Wucht besitzt, die „First Blood“ zuvor geboten hat. John Rambos Zusammenbruch in der letzten Szene war dann wieder sehr gelungen und hat das eigentliche Thema des Films noch einmal wunderbar auf den Punkt gebracht.

Fazit

Mit „Rambo“ hat Sylvester Stallone neben „Rocky“ (eine weitere meiner filmischen Lücken) völlig zurecht Kinogeschichte geschrieben. Selbst nach 36 Jahren kann der Film immer noch überzeugen. Ich selbst bin nun gespannt, ob die Fortsetzungen für mich ebenfalls noch funktionieren oder nur noch Relikte des 80er-Jahre-Actionkinos sind. Dieser erste Teil der Reihe ist auch heute noch sehenswert: 8/10 Punkte.

Passengers (2016)

Zeitumstellung! Die ideale Gelegenheit also, um sich mit einem Raumschiff auf eine 120 Jahre dauernde Reise zu begeben. Somit haben wir auf der Avalon eingecheckt und uns mit „Passengers“ auf die Reise nach Homestead II begeben. Ob sich die lange Reise gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!

Morten Tyldums „Passengers“ hat nicht die besten Kritiken bekommen. Als Romanze im All verschrien, waren viele Sci-Fi-Fans wohl ziemlich enttäuscht. Meine Erwartungen waren folglich nicht zu groß und ich habe mir am ehesten schöne 3D-Bilder erhofft. Die bekam ich auch zu sehen, denn der Film sieht wahrlich fantastisch aus! Die Tiefe des Raums ist nahezu greifbar und Schauplätze, wie der Infinity Pool im Weltall, sorgen für so manchen Wow-Effekt. Audiovisuell ist „Passengers“ ein großes Vergnügen, doch die eigentliche Überraschung war, dass er mich auch inhaltlich zu überzeugen wusste.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mit „The Dark Forest“ und seinem Nachfolger „Death’s End“ zurzeit ausführlich mit Hibernation und Langstreckenflügen unter Lichtgeschwindigkeit auseinandersetze. Die hier aufgemachte Prämisse fand ich somit sofort spannend und erzählenswert. Im Verlauf des Films kommt Drehbuchautor Jon Spaihts mit unzähligen Ideen um die Ecke, aus denen man eigene Filme hätte machen können. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb insgesamt ein wenig unrund und zusammengewürfelt. Für mich hat die Romanze nur einen kleinen Teil ausgemacht und das Drama um Jim Prestons (Chris Pratt) Entscheidung war für mich der Kern des Films. Hier hätte das Skript für mich gerne noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Jedoch fand ich die angedeuteten Konsequenzen spannend genug, um mich bei der Stange zu halten – und selbst das Ende konnte mich überzeugen, wenngleich ich Auroras bewusste Entscheidung, nicht mehr in die Hibernation zu gehen, ein wenig plakativ als Geste der Vergebung fand.

Fazit

Was hätte man alles aus der Geschichte machen können? Einen Mystery-Thriller, ein Beziehungsdrama oder einen Sci-Fi-Actionfilm. Letztendlich steckt von alldem alles ein wenig in „Passengers“ – und für mich hat dieser Mix, auch dank des famosen Zusammenspiels von Jennifer Lawrence („The Hunger Games“) und Chris Pratt („Guardians of the Galaxy“), fabelhaft funktioniert. Für mich eine durchwegs positive Überraschung, die zudem tolle Bilder bietet: 8/10 Punkte.

Der Adler der neunten Legion – OT: The Eagle (2011)

Wochenende, Zeit für einen Film. Mit „Der Adler der neunten Legion“ habe ich mich für eine nur allzu bekannte Geschichte entschieden, von der ich mir dieses Mal eine gelungenere Umsetzung erwartete. Ob Kevin Macdonald das liefern konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der Adler der neunten Legion (2011) | © Concorde Video

Der Adler der neunten Legion (2011) | © Concorde Video

Ein Buddy-Movie im zweiten Jahrhundert

Wie bereits erwähnt, basiert „Der Adler der neunten Legion“ auf der gleichen Prämisse wie Neill Marshalls „Centurion“ aus dem Jahr 2010. Marshall hatte einen kleinen, dreckige Actionfilm aus der Geschichte gemacht, während Kevin Macdonald das historische Setting ernster nimmt und deutlich weiter ausholt. So dauert es beinahe eine Stunde, bis sich der Suchtrupp hinter den Hadrianswall (übrigens die Vorlage der Mauer aus „Game of Thrones“) begibt und das Abenteuer beginnt. Im Norden angekommen, wird eine ähnliche Verfolgungsjagd wie in „Centurion“ abgespult, nur ohne jemals deren Intensität zu erreichen. Nett, aber eben auch nicht mehr. Dabei sind die Kampfszenen ähnlich hektisch inszeniert, nur dass sie relativ blutleer bleiben. Und der teils unpassende Buddy-Movie-Aspekt (was sollte denn die letzte Szene?) hat nicht wirklich zum Positiven beigetragen.

Kevin Macdonald hat mit „Sturz ins Leere“, „Der letzte König von Schottland“ und „State of Play“ drei Filme inszeniert, die ich durchaus schätze. Selbst sein lediglich unterhaltsamer U-Boot-Thriller „Black Sea“ konnte mich überzeugen. „Der Adler der neunten Legion“ fällt für mich dagegen in jeder Hinsicht deutlich ab, da er einerseits ziemlich dröge, andererseits aber auch unnötig hektisch wirkt. Letztendlich hatte ich mit Neill Marshalls Variante der Geschichte mehr Spaß.

Fazit

Auch wenn „The Eagle“ ein paar schöne Bilder und durchaus Atmosphäre besitzt, so kommt er über einen bestenfalls durchschnittlichen Eindruck nicht hinweg. Letztendlich hat man das alles schon besser gesehen, was nicht wirklich für den Film spricht. In jeder Hinsicht mittelmäßige Unterhaltung: 5/10 Punkte.

Die Stunde der Patrioten – OT: Patriot Games (1992)

Heute ist die mir die Wahl des Films am Abend nicht schwergefallen, da ich bereits vergangenes Wochenende mit „Jagd auf Roter Oktober“ eine neue Reihe begonnen hatte. Folglich stand heute der Nachfolger „Die Stunde der Patrioten“ auf dem Plan – und wie sich dieser geschlagen hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Die Stunde der Patrioten (1992) | © Paramount (Universal Pictures)

Die Stunde der Patrioten (1992) | © Paramount (Universal Pictures)

Jack Ryan wird zum Actionhelden

Hat Jack Ryan in „Jagd auf Roter Oktober“ (gespielt von Alec Baldwin) noch eher Worte denn Taten sprechen lassen, legt Harrison Ford als Neubesetzung sogleich Hand an und rettet die britische Königsfamilie vor einem Attentat. Damit ist der Ton der Fortsetzung auch gesetzt und wir bekommen einen viel klassischeren Thriller zu sehen, der bis zum übertriebenen Finale auch weitestgehend nach Schema F abläuft. Statt den bösen Russen steht dieses Mal eine Splittergruppe der IRA im Mittelpunkt, die jedoch nur als Aufhänger für eine nur allzu persönliche Rachegeschichte dient. Als Gegenspieler erleben wir einen jungen Sean Bean, der Harrison Fords Jack Ryan ganz schön zum Schwitzen bringt.

Ich mochte den Fokus auf Ryans Familie sowie das Gefühl der beständigen Bedrohung. In diesen eher ruhigen Szenen ist der Film auch zweifellos am gelungensten. Die Action ist dagegen oft ausufernd (speziell das übertriebene Finale) und die Dialoge zwischen diversen CIA-Agenten und Militär-Mitgliedern ein wenig ermüdend.

Fazit

Insgesamt ist auch „Die Stunde der Patrioten“ ein nach wie vor sehenswerter Thriller, dem jedoch das spezielle Setting des Vorgängers abgeht. Die Rachegeschichte ist handwerklich sauber inszeniert und es gibt genügend spannende Szenen. Alles in allem ein leichter Rückschritt, auch wenn ich dennoch Spaß mit dem Film hatte: 7/10 Punkte.

Jagd auf Roter Oktober – OT: The Hunt for Red October (1990)

Kaum zu glauben, doch unser Zwergofant ist heute tatsächlich ohne Hustenattacke eingeschlafen. Somit hätte unsere Sichtung von „Jagd auf Roter Oktober“ das perfekte Filmerlebnis sein können, wenn wir nicht selbst hundemüde gewesen wären. Die Erschöpfung der letzten Tage zollt langsam aber sicher ihren Tribut. Immerhin ich habe durchgehalten und wurde mit einem herrlich klassischen Thriller belohnt…

Jagd auf Roter Oktober (1990) | © Paramount (Universal Pictures)

Jagd auf Roter Oktober (1990) | © Paramount (Universal Pictures)

U-Boot-Action im Kalten Krieg

„Jagd auf Roter Oktober“ gehört zu den Filmen, die ich in meiner Jugend immer einmal wieder im Fernsehen gesehen habe. Die letzte Sichtung liegt inzwischen jedoch bestimmt 15 Jahre zurück, weshalb ich mich weniger an die konkrete Handlung, als an die Atmosphäre und gewisse Bilder erinnern konnte. In meiner Erinnerung war der Tom-Clancy-Thriller auch unglaublich modern, was aus heutiger Sicht beinahe lächerlich erscheint, hat der Film doch bereits 28 Jahre auf dem Buckel – und das sieht man ihm, gerade in den Unterwasserszenen, doch deutlich an. Schon erstaunlich, um wie viel moderner der gerade einmal fünf Jahre später gedrehte U-Boot-Thriller „Crimson Tide“ doch aus heutiger Sicht wirkt.

Wenn man über so manch angestaubt wirkenden Effekt hinweg sieht, bekommt man einen schnörkellos inszenierten Thriller präsentiert, der immer noch wunderbar funktioniert. John McTiernan (bekannt für z.B. „Predator“) beweist ein Händchen für packende Szenen auf beschränktem Raum und die fähigen Darsteller rund um Sean Connery und einen jungen Alec Baldwin tragen ihr Übriges dazu bei, „The Hunt for Red October“ auch heute noch zu einem Erlebnis zu machen.

Fazit

Für mich reiht sich „Jagd auf Roter Oktober“ in die Thriller der 90er Jahre ein, die ich mir immer wieder ansehen kann. Er ist zugleich ein Zeitdokument, das typisch für die Zeit des auslaufenden Kalten Krieges ist. Wer auf schnelle Action, Schnittgewitter und selbstreferenziellen Humor verzichten kann, der ist auch heute noch gut mit diesem U-Boot-Thriller beraten: 8/10 Punkte.

Kong: Skull Island (2017)

Was für eine Woche. Tagsüber gearbeitet, abends das kranke Kind versorgt und nachts mit vielen Unterbrechungen nur sehr wenig geschlafen. Zeit für das Wochenende, Zeit für einen Film. Die Wahl fiel auf „Kong: Skull Island“ und das war auch gut so, denn dieser Art von Film hat es vielleicht nicht so sehr geschadet, dass wir ihn mit mehreren Pausen über fast vier Stunden strecken mussten. Ob sich die Reise nach Skull Island für uns dennoch gelohnt hat?

Kong: Skull Island (2017) | © Warner Home Video

Kong: Skull Island (2017) | © Warner Home Video

Perfekt inszenierte Monster-Action

Noch bevor es nach Skull Island geht, lebt der Film seine 70er-Jahre-Ästhetik großzügig aus. Man fühlt sich in einer Art Parallelwelt, in der „Apocalypse Now“ bereits die Popkultur der Vietnamkriegs-Ära geprägt hat und die Soldaten sich dessen völlig bewusst sind. In seinem Prolog wirkt „Kong: Skull Island“ dadurch wie ein Meta-Kommentar, was ich stilistisch durchaus spannend fand. Auch auf der Insel wird diese Ästhetik beibehalten und mit bombastischer Monster-Action kombiniert. Und wenn ich schreibe bombastisch, dann meine ich das auch so. Der Film sieht unglaublich gut aus und die Balance aus gebauten Sets und CGI funktioniert tadellos. Gerade in 3D sind die oft weitläufigen Landschaftsaufnahmen ein wahrer Augenschmaus. Selbst die großen Kampfszenen sind stets übersichtlich und ohne hektische Wackelkamera inszeniert, was für Freunde von Monster-Filmen, zu denen ich mich zweifellos zähle, ein großes Vergnügen ist.

Auf der inhaltlichen Seite hat „Kong: Skull Island“ dagegen weniger zu bieten. Dennoch funktioniert die Handlung für mich tadellos als geradlinige Abenteuergeschichte. Die Charaktere sind durchaus brauchbar und ihnen wird von der hochkarätigen Besetzung, u.a. Brie Larson („Raum“) oder Tom Hiddleston („Crimson Peak“), ausreichend viel Leben eingehaucht. Im Vergleich zu Peter Jacksons „King Kong“ aus dem Jahr 2005 ist dieser neue Auftritt des gigantischen Affen inhaltlich aber eher schwach auf der Brust.

Fazit

Mir hat „Kong: Skull Island“ extrem viel Spaß gemacht, was mit Sicherheit an meinem Faible für Monsterfilme liegt. Auch wenn mich unzählige Unterbrechungen immer wieder aus dem Film gerissen haben, so ist mein Gesamteindruck doch gut genug, um gespannt zu sein, wie sich Kong mit „Godzilla“ in einem gemeinsamen Film vereinbaren lässt: 7/10 Punkte.

Viel Lärm um nichts – OT: Much Ado About Nothing (2012)

Solch einen drögen Samstag hatten wir schon lange nicht mehr. Alle angeschlagen bis krank und zu nichts zu gebrauchen. Da ich heute eh nur rumgelegen bin (von ein paar Brettspielen mit den Kindern einmal abgesehen), habe ich mich noch fit genug für einen Film gefühlt und „Viel Lärm um nichts“ in Joss Whedons Inszenierung in den Player geschoben. Eine gute Wahl?

Viel Lärm um nichts (2012) | © Edel Germany GmbH

Viel Lärm um nichts (2012) | © Edel Germany GmbH

Wenn Buffy auf Shakespeare trifft

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Ja, ich bin ein Whedon-Fanboy. Ich liebe seine Serien „Buffy the Vampire Slayer“ und „Angel“. Bis heute zählt „Firefly“ zu meinen absoluten Serien-Highlights und selbst „Dollhouse“ konnte ich einiges abgewinnen. Kein Wunder also, dass mich seine Shakespeare-Adaption, die er zusammen mit befreundeten Darstellern aus oben genannten Serien innerhalb von zwei Wochen in seinem Haus in Santa Monica abgedreht hat, ziemlich begeistert hat. Dabei ist es mir am Anfang eher schwer gefallen, mich auf den nahezu unveränderten Originaltext einzulassen, was mir allerdings auch schon bei Baz Luhrmanns „Romeo + Julia“ so ging. Nach ein paar Minuten hat es aber geklickt und ich hatte extrem viel Spaß mit dem Stoff.

Über die Qualität der Adaption kann ich nicht viel sagen, kenne ich doch weder das Stück noch Kenneth Branaghs bekannte Verfilmung aus dem Jahr 1993. Die Verlegung der Handlung in die heutige Zeit hat für mich recht gut funktioniert, doch hätte ich mir fast gewünscht, dass Whedon den Text an gewissen Stellen ebenfalls modernisiert. Das wäre natürlich ein Frevel gewesen, doch die Ansprache mit Graf usw. hat nicht wirklich gepasst. Auf der anderen Seite schafft Whedon sehr stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Bilder, die er teils mit Songs unterlegt, die auf Shakespeares Texten basieren. Das fand ich wiederum ziemlich großartig. Ebenso wie die bewusst ausgespielte Comedy (u.a. durch Nathan Fillion), die schon fast an Slapstick erinnert.

Fazit

Mir hat diese moderne Inszenierung von „Viel Lärm um nichts“ sehr viel Freude bereitet. Allerdings besitze ich auch keine Kenntnis vom Original und sehe die Inszenierung bewusst durch die Fan-Brille (der Film könnte auch eine Alternative-Universe-Episode von „Angel“ sein, in der Winifred und Wesley ein Happy-End gegönnt wird). Wenn ihr Joss Whedon mögt und Shakespeare nicht abgeneigt seid, dann solltet ihr unbedingt einmal reinschauen: 8/10 Punkte.